Wir unterstützen Demo und Kundgebung am Freitag

#wirsindmehr

Das Bündnis Nein zum Krieg hat dem Oberbürgermeister / Magistrat heute seine Unterstützung für die Demo und Kundgebung am Freitag zugesagt. Das Schreiben von Thomas Spies hatte folgenden Wortlaut:

„Die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat laden für Freitag, 7. September, zwischen 17 und 19 Uhr zu einer Demonstration und Kundgebung zu den Vorfällen in Chemnitz, für das staatliche Gewaltmonopol und gegen ausufernden Rechtsextremismus ein. Nach einem Gang vom Erwin-Piscator-Haus zum Marktplatz soll dort kurz gesprochen werden und dabei das ganze Spektrum der Marburger Zivilgesellschaft repräsentiert sein.

Gerne möchten wir Sie als Organisation, Verein, Initiative oder Unternehmen dafür gewinnen, sich an dieser Dokumentation der demokratische Einigkeit in Marburg zu beteiligen. Sollten Sie das Anliegen unterstützen, so wären wir Ihnen dankbar, Sie als zivilgesellschaftliche Unterstützter im Aufruf zur Demonstration nennen zu dürfen. Eine entsprechende Auflistung würden wir am Donnerstag auch der örtlichen Presse zur Verfügung stellen (…)“

 

Marburger Friedensbewegung begrüßt Entscheidung für Gedenkinstallation „Verblendung“ im Schülerpark“ – Kritik an mangelnder Aufarbeitungsbereitschaft der Jägerkameraden

Erklärung des friedenspolitischen Gesprächskreis des DGB und des Bündnis „Nein zum Krieg“

„Mit ihren öffentlichen Äußerungen (O.P. v. 12.6.18) belegen Vertreter der Kameradschaft Marburger Jäger abermals, dass sie trotz aller öffentlichen Diskussionen und Aufarbeitungsbemühungen seitens der Stadtgesellschaft nicht bereit sind, sich kritisch mit den Untaten auseinanderzusetzen, die von der Militäreinheit Marburger Jäger im 19. und 20. Jahrhundert begangen worden sind. Wie die Geschichtswerkstatt erforscht hat, war sie beteiligt an der Zerschlagung der Pariser Commune 1871, der Niederschlagung des „Boxer-Aufstandes“ in China 1900/01, am Völkermord an den Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika 1904-1907, heute Namibia, am Massaker an der Zivilbevölkerung im belgischen Dinant 1914 und der Erschießung demonstrierende Arbeiter im schlesischen Königshütte 1919.

Die Geschichte der Stadt Marburg, jahrzehntelang Garnisonsstandort, verpflichtet zu öffentlicher Aufarbeitung von Gewalttaten, Kriegsverbrechen, Militarismus und Krieg. Das Jägerdenkmal im Schülerpark, in den 1920er Jahren errichtet, um die Untaten der Jäger zu glorifizieren und jüngere Generationen auf Krieg und Revanche einzuschwören, ist der geeignete Ort für eine Gedenkinstallation, die sich kritisch mit der Jägergeschichte auseinandersetzt. Ein solches Denkmal ist ein weiterer und besonderer Schritt in den Bemühungen der Stadt, die dunklen Seiten der Stadtgeschichte aufzuarbeiten.

Der von der Jury ausgewählte Entwurf „Verblendung“ von Heiko Hünerkopf setzt die Intention des Stadtparlamentsbeschlusses, in ‚Kommunikation und Konfrontation‘ mit dem Jägerdenkmal im Schülerpark den Opfern der Untaten der „Marburger Jäger“ einen räumlichen Ausdruck zu verleihen und ein sichtbares Zeichen für Frieden und Völkerverständigung zu setzen, überzeugend um. Die Installation ist weithin sichtbar, irritiert, informiert und lädt zu weiterer kritischer Auseinandersetzung ein. Der Titel ‚Verblendung‘ verweist auf die kritisierte Ideologie eines scheinbar unpolitischen Totengedenkens, das in Wahrheit von militaristischem und revanchistischem Denken durchzogen ist.

Der erneute Versuch der Jägerkameraden, sich in der Öffentlichkeit so darzustellen, als wollen sie vermeintlich unpolitisch lediglich alle Kriegstoten betrauern und seien das Opfer einer linken oder sonstigen Verschwörung, ist ein durchschaubares Manöver, das von den Erkenntnissen über die Untaten und verbrecherische Seite der Marburger Jäger sowie von der eigenen problematischen Traditionspflege ablenken soll.“

Für den Friedenspolitischen Gesprächskreis
im DGB Marburg-Biedenkopf / Bündnis Nein zum Krieg