„Beziehungen zwischen Russland und Deutschland“ – Open-Air-Veranstaltung am 19.9.2021, Lutherischer Kirchhof

Mit Vorträgen und Live-Klaviermusik.
Eine Veranstaltung von

Kulturhorizonte e. V. Marburg

„Beziehungen zwischen Russland und Deutschland – kulturelle und historische Aspekte – vor 80 Jahren: Am 22. Juni 1941 begann der deutsche Überfall auf die UdSSR“
Der 22. Juni 1941 markiert ein zentrales Datum in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Wie kam es zu der Entscheidung der nationalsozialistischen Führung, die UdSSR – trotz des Nicht-Angriffsvertrags vom 23. August 1939 anzugreifen? Welches waren die deutschen Kriegsplanungen und -ziele in Osten? Warum wurde die sowjetische Führung trotz zahlreicher Warnungen, im Juni 1941 offensichtlich überrascht? Warum erlitt die Sowjetische Armee in den ersten Kriegsphasen
äußerst verlustreiche Niederlagen und musste sich bis Leningrad und Moskau zurückziehen? Wann und warum schlug der „Blitzkrieg“ der Wehrmacht in einen systematisch geführten Raub- und Vernichtungskrieg um, dem bis 1945 etwa 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer fielen und der weite Teile der besetzten Territorien verwüstete? Wie waren der Krieg und die Vernichtung der osteuropäischen Juden miteinander verknüpft? Einige dieser Fragen, die seit Jahrzehnten in der internationalen zeithistorischen Forschung – nicht selten kontrovers – debattiert worden sind, werden in unserer Veranstaltung angerissen. Zum Schluss soll diskutiert werden, ob die Erinnerung an die Schrecken und Gräuel des Kriegs dazu beitragen kann, die Ideen einer Welt ohne Rüstung mit mehr vertrauens- und friedensbildenden Kontakten und Kooperationen befördern kann.

Programmpunkte waren:
– Begrüßung, vhs-Stadt: René Barrios; Kulturhorizonte e. V.: Ilina Fach
  Vortrag Ilina Fach „Krieg, Kriegsfolgen und Ökologie“
– Klaviermusik von Daniel Regehr: Sergej Rachmaninoff, études tableaux, op. 33
– Vortrag, Nina Rippe, Leiterin Musikschule KLASSIKA: „Deutsch-Russische Beziehungen und die Welt der Musik als Friedensbrücke“,
– Klaviermusik von Daniel Regehr: Sergej Prokovjew, „Sarkasmus“, op. 17, Nr. 1,
Oliver Tadjbach: Schostakovitsch, Präludium und Fuge, Nr. 4, e-moll, und Präludium Nr. 22, g-moll

– Gert Meyer, Historiker: „Vor 80 Jahren: Am 22. Juni 1941 begann der deutsche Überfall auf die UdSSR“, Vortrag


– Daniel Regehr: Sergej Prokovjew, op. 22, Nr. 1,
– Abschluss und Friedensgebet, Ulrich Biskamp

Unverfrorene Ignoranz. Ein Bekenntnis zur Nato?

Leserbrief in der Oberhessischen Presse vom 18.9.2021

Da verlangen die drei Kanzlerkandidaten bzw. -kandidatin mit unverfrorener Ignoranz ein Bekenntnis zur Nato ausgerechnet, oder gerade deshalb, von der einzigen Partei im Deutschen Bundestag, die konsequent gegen die militärischen Interventionen in Afghanistan gestimmt hat.
Geht‘s noch? Man nenne mir nur einen Grund, warum diese mörderische Aktion und das anschließende im Stich lassen der Ortskräfte für ein zustimmendes Bekenntnis taugen soll.
Die Partei Die Linke hat im Juni gemeinsam mit den Grünen einen Antrag zur Evakuierung eben dieser Ortskräfte eingebracht. Ergebnis: Die Mehrheit von SPD und CDU stimmte dagegen.
Als es Ende August um eine Mandatsverlängerung zur Rettung der Menschen ging, hat sich Die Linke im Bundestag enthalten. Die Überschrift des Antrages passte einfach nicht zum Kleingedruckten, wo es um die Evakuierung „ . . . deutscher Staatsangehöriger, von Personal der internationalen Gemeinschaft sowie weiterer designierter Personen aus Afghanistan“ ging. Jedoch kein Wort darüber, wer denn diese „designierten“ Menschen sind, und vor allem: Wer „designiert“ hier, wer entscheidet darüber? Alles unklar. Und da soll man zustimmen?
Und trotzdem geht es ständig um ein Bekenntnis zur Nato. Dabei wissen wir doch inzwischen, was von der Nato zu halten ist: die Bombardierung Jugoslawiens ohne UN-Mandat, die Bombardierung Libyens, wo eigenmächtig die UN-Resolution Nummer 1973 umgangen wurde. Eine Resolution, die eine Errichtung einer Flugverbotszone vorsah; die Nato und ihre Verbündeten entschieden sich aber für einen Sturz Ghaddafis. Es folgte ein Bürgerkrieg, der bis heute das Land zerreißt.
Und nach dem Debakel in Afghanistan soll nun durch Bekenntnisse die Nato wieder reingewaschen werden. Es braucht aber Bekenntnisse ganz anderer Art: Nein zu der Zwei-Prozent-Forderung der Nato, die unsere Ausgaben für Rüstung um etwa weitere 25 Milliarden Euro in die Höhe treiben würden.
Nein zur nuklearen Teilhabe, die deutsche Piloten verpflichten würde, Atombomben zu ihren Einsatzorten zu fliegen.
Nein zu FCAS (Future Combat Air System), das sich Deutschland im Verein mit Frankreich und Spanien ausgedacht hat und dessen bislang geschätzte Kosten 300 Milliarden Euro wohl überschreiten werden.
Ja zu einer Reduzierung der Rüstungsausgabe, Ja zur Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages durch die Bundesregierung, Ja zu Frieden durch Abrüstung. Am 26.09. ist Wahltag!
Karin Schwalm,
Marburg

5. Marburger Friedensforum am Sonntag 29. August von 15-18 Uhr. Als Hauptrednerin spricht die bekannte Theologin Margot Käßmann.

Ort der Veranstaltung: Lutherischer Kirchhof, bei Regen in der Kirche. Flyer

Zum 5. Mal jährt sich in diesem Jahr das Marburger Friedensforum,
das in der Tradition des Antikriegstages am 01. September steht.
Am 01. September 1957 wurde in der BRD der Antikriegstag ins Leben
gerufen. Das Datum erinnert an den deutschen Überfall der Nazi- Wehrmacht auf Polen am 01. September 1939.
Als Hauptrednerin wird die bekannte Theologin Margot Käßmann zur:
„Denkkonversion“ sprechen. Ein „weiter so“ in der Politik wird es nicht geben können, wenn die sozial-ökologische Wende als auch eine andere Friedenspolitik gelingen soll. Der zweite Redner Dr. Witich Roßmann, langjähriger Erster Bevollmächtiger der IG-Metall, wird zum Thema: „Rüstungskonversion“ sprechen. Wie kann Rüstung in die Herstellung umweltfreundlicher und sozialer Produkte umgewandelt und Rüstungsexporte beendet werden. Die Redebeiträge mit Diskussion werden moderiert von Anne Maximiliane Jäger-Gogoll und Pit Metz unter dem Motto: “Was nützt dem Frieden?“. Aktuelle Themen, die zukünftig die Welt bewegen werden.
Grußworte und politische Positionen werden von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Mitglieder von Fridays for Future sowie von Greenpeace vorgetragen.
Der gebürtige Marburger Robert Oberbeck wird mit Sängerin Anita Naumann die Veranstaltung mit Folk und Liedern aus der Friedensbewegung umrahmen.
Neben Informationsständen mit Beiträgen aus der aktuellen Arbeit, werden auch Kaffee und Kuchen sowie andere Getränke angeboten.
Alle sind zu dieser Veranstaltung unter Beachtung der Corona-Regeln eingeladen. Interessierte können sich in der Friedensarbeit engagieren.
Veranstaltet wird das Friedensforum vom Marburger Bündnis: „Nein zum Krieg“, einem Zusammenschluss von zahlreichen Organisationen, Initiativen, Vereinen, Wissenschaftler/innen, Parteien und dem DGB mit seinen Einzelgewerkschaften.

Mahnwache zum 6. und 8. August 1945

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Hiroshima und Nagasaki mahnen:
Nie wieder! Für eine Politik des Friedens! Für Abrüstung!     Flyer

Liebe Friedensfreund*innen, liebe Menschen in Marburg,
Das Marburger Bündnis „Nein zum Krieg“ möchte an diesem Tag der
folgenden Zeitungsanzeige weitere Resonanz verschaffen. Die Initiator*innen
sind unten aufgeführt.

Unsere Stimme für das Atomwaffenverbot!
Die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 mahnen uns, für eine Welt frei von Atomwaffen einzutreten.

Heute bedrohen weltweit noch immer mehr als 13.000 Atomwaffen unsere Sicherheit. Jeder Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen, ob vorsätzlich oder versehentlich, würde katastrophale, weitreichende und langanhaltende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen, auch für unsere Städte und Gemeinden. Die Atommächte planen dennoch, Milliarden in die Aufrüstung ihrer Arsenale zu investieren.

Seit dem 22. Januar 2021 ist der UN-­‐Atomwaffenverbotsvertrag in Kraft. Er verbietet allen beigetretenen Staaten u.a. die Herstellung, die Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen.
Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind dafür, dass Deutschland diesem wegweisenden Vertrag beitritt. Unterstützt werden sie von weit über 100 Städten und mehreren hundert Abgeordneten aus dem Europaparlament, Bundestag und verschiedenen Landtagen.
Doch die derzeitige Bundesregierung boykottiert das Abkommen. Die Bundeswehr soll sogar neue Kampfflugzeuge für mehrere Milliarden Euro bekommen, damit sie auch zukünftig die in Büchel gelagerten Atombomben ins Ziel fliegen kann.

Am 26. September, dem von der Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärten
internationalen Tag zur Abschaffung aller Atomwaffen, ist Bundestagswahl.

Wir erwarten von der zukünftigen Bundesregierung:
-­‐ als Beobachter bei der 2022 stattfindenden Überprüfungskonferenz zum UN-­‐
Atomwaffenverbotsvertrag in Wien teilzunehmen
-­‐ als ersten Schritt für einen raschen Beitritt Deutschlands zu diesem Vertrag die
Beschaffung neuer Atomwaffen-­‐Trägerflugzeuge für die Bundeswehr zu stoppen;
-­‐ den Abzug aller US-­‐Atombomben aus Deutschland

Wir unterstützen die vielfältigen Aktionen an den Gedenktagen der Atombombenabwürfe von 1945 und setzen uns mit unserer Stimme für ein generelles Atomwaffenverbot ein.

*** Dies ist eine Aktion der Pacemakers und der DFG-­‐VK (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen) Baden-­‐Württemberg mit diesen Kooperationspartnern:
ICAN Deutschland (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen), IPPNW Deutschland (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges), Ohne Rüstung Leben und der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“. www.pace-­makers.de, https://bawue.dfg-­‐vk.de,
www.icanw.de, www.ippnw.de, www.ohne-­‐ruestung-­‐leben.de, www.atomwaffenfrei.de

verantwortlich: Marburger Bündnis „Nein zum Krieg“ – antikriegsbuendnismarburg.de

Osterspaziergang 2021


DESERTEURSDENKMAL

Pit Metz DGB/Bündnis Nein zum Krieg/Moderator Eröffnung: 0:00:00
(Ankündigungen: 0:16:04/0:20:47/0:26:40/0:30:20/0:34:16)
* Grußwort LINKE: Anna Hofmann 0:08:11
* Grußwort SPD: Thorsten Büchner 0:16:30
* Jugend gegen Krieg: Cathrin Bodenröder 0:21:05
* Werner Bachmann Bündnis „Nein zum Krieg“/NaturFreunde Marburg 0:27:08
* Musikbeitrag Mariele Diehl 0:31:00

weitere Bilder auf ’s Bild klicken Quelle: FfF Marburg

JÄGERDENKMAL/GEDENKINSTALLATION (Schülerpark)
Pit Metz Abschlusskundgebung: 0:35:12
(Ankündigungen: 0:41:06/0:46:06/0:52:15/0:54:08/0:57:39/1:15:29)
* ICAN / DFG/VK: Adrián Villa Urrego 0:41:34
* DIDF: Bahar Aslan 0:46:21
* FfF: Karl Meyer 0:52:50
* Klimaliste: Mariele Diehl 0:54:36
* Musikalischer Abschluss: Johannes M. Becker & Maximiliane Jäger-Gogoll
1.Lied 0:58:35, 2.Lied 1:05:21, 3.Lied 1:10:00

weitere Bilder auf ’s Bild klicken Quelle: eigene

Presse:
Ostermarschausgabe der Zeitschrift Abrüsten statt Aufrüsten
„My heimat“
Oberhessische Presse
Bildergalerie der Oberhessischen Presse

 

Einladung zum Osterspaziergang


Ostermontag, 5. April 2021, 11.00 Uhr
Am Deserteursdenkmal (Frankfurter Straße)
(als pdf)

Liebe Marburgerinnen und Marburger, liebe Mitmenschen,
die Corona-Pandemie hat mehr als deutlich gezeigt, dass in unseren Krankenhäusern, unseren Schulen, in den Gesundheitsämtern Geld und Personal fehlen.

Währenddessen steigen weltweit die Rüstungsausgaben. Doch statt in teure und friedensgefährdende Waffensysteme, müssen wir dringend in Bildung, Gesundheit und in einen sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft investieren.

Die weltweiten Probleme können nur durch Abrüstung und den Aufbau einer neuen Entspannungspolitik gelöst werden. Wir brauchen eine gemeinsame zivile Sicherheitspolitik mit all unseren Nachbarn.

Wir fordern daher:
– Unterzeichnung des völkerrechtlich verbindlichen UN-Atomwaffen-
Verbotsvertrages!
– Stopp der Rüstungsexporte – Rüstungskonversion statt Rüstungsproduktion!
– Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr – für eine vollständige Zivilisierung der Sicherheitspolitik!
– Keine Kampfdrohnen und keine Kampfbomber!
– Internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung der Corona-Pandemie!
– Entschiedenen Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimakatastrophen!

Marburger Bündnis Nein zum Krieg

Aktion am 27.3.2021

 

 

Stadt stellt sich ihrer Geschichte

Leserbrief vom 11. März 2021 in der Oberhessische Presse

Reaktion auf den Artikel „Konservativer wird AfD-Gesicht“: Über die Einlassung des Herrn Pozzi, Spitzenkandidat der AfD, zum Jägerdenkmal und der ihm beigesellten Gedenkinstallation „Verblendung“ muss ich mich doch wundern.

Ist es absichtliches Missverstehen, argumentative Böswilligkeit oder einfach Ausdruck eines schlichten Gemüts, dass Herr Pozzi, offenbar von jeder Kenntnis des intensiven Diskussionsprozesses um den historischen und künstlerischen Umgang mit dem Jägerdenkmal ungetrübt, den Uralt-Vorwurf wiederholt, man wolle so tun, als sei die Garnisonsvergangenheit Marburgs mitsamt dem 11. Jägerbataillon „nicht Teil der Geschichte dieser Stadt“, wolle sie „verleugnen“ oder sogar „tilgen“? Genau das Gegenteil ist doch der Fall: Mit der Aufarbeitung der Geschichte der Marburger Jäger durch die Geschichtswerkstatt, dem darauf basierenden Beschluss des Magistrats zur Errichtung der Gedenkinstallation, dem internationalen Kunstwettbewerb mit interdisziplinärem Auswahlgremium, schließlich der Errichtung des Siegerentwurfs, der „Verblendung“ von Heiko Hünnerkopf, stellt sich die Stadt Marburg ihrer Geschichte als Standort einer Militäreinheit, von der sie vielfach geprägt wurde, die jedoch zwischen 1871 und 1919 ganz oder in Teilen auch an manifesten Kriegsverbrechen in Frankreich, Belgien, Namibia, China und dem heutigen Polen beteiligt gewesen ist. Während ein Rundbrief der heutigen Jägerkameradschaft (der Herr Pozzi bekanntlich angehört) im Jahr 2002 die „Geschichte des Kurhessischen Jägerbataillons Nr. 11“ ungeachtet dieser sehr dunklen Seiten ein „Beispiel für großartiges Soldatentum und deshalb vorbehaltlos tradierbar“ nannte, ergänzt Hünnerkopfs „Verblendung“ diese Geschichtsschreibung um ihre bislang verleugnete Seite. Sie zeigt die Verankerung im rücksichtslosen Kolonialismus und Militarismus des nach Vorherrschaft strebenden deutschen Kaiserreichs, einer Ideologie, die unmittelbar in die Vorbereitungen zum nächsten, dem Zweiten Weltkrieg, mündete, was sich nach 1933 auch im Namen der Marburger SA-Einheit „Standarte Jäger 11“ niederschlug.

Die Errichtung der „Verblendung“ am Jägerdenkmal ist ein mutiger Schritt, Geschichte anzuerkennen und im Sinne einer vielfältigen und friedensfähigen Gesellschaft produktiv sichtbar zu machen.

Dabei schließt die Trauer um die Opfer der Untaten der Marburger Jäger die Erinnerung an jene, für die Marburger Familien das Denkmal einst finanzierten, nicht aus.

Auch sie sind Akteure im Kontext jener ideologischen Verblendung, die die Installation benennt.

Es wäre begrüßenswert, wenn diese Differenzierung auch in die Gedankenwelt des Herrn Pozzi Eingang fände.

Priv.-Doz. Dr.
Anne Maximiliane Jäger-Gogoll,
Marburg

Schon letztes Jahr…
Leserbrief vom 27. März 2020 in der Oberhessische Presse

Unwilligkeit zu lernen

Leserbrief zum Artikel „Marburger Jäger wollen Gedenkinstallation verhindern“ vom 21. März: Mathias Pozzi, Schriftführer bei den Jägerkameraden sowie beim Marburger Stadtverband der AfD, beklagt sich gegenüber der OP, dass „ein fast 100 Jahre altes Denkmal entwürdigt und entehrt wird“. Welche Ehre, welche Würde sollen hier durch einstweilige Anordnung gerettet werden? Es geht um die Umsetzung eines Beschlusses der Marburger Stadtverordnetenversammlung, diesem Denkmal eine Installation beizufügen, die einen deutlichen Hinweis auf die Untaten der Marburger Jäger enthalten und ihren Opfern ein Gesicht geben soll. Die Vorbereitungen zur Umsetzung des in öffentlichem Diskussionsprozess gefundenen Entwurfs sind weitgehend abgeschlossen.

Die Militäreinheit „Marburger Jäger“ war, wie die Geschichtswerkstatt erforscht hat, an der Zerschlagung der Pariser Commune 1871, der Niederschlagung des „BoxerAufstandes“ in China 1900/01, am Völkermord an den Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie DeutschSüdwest-Afrika 1904–1907, heute Namibia, am Massaker an der Zivilbevölkerung im belgischen Dinant 1914 und demonstrierenden Arbeitern im schlesischen Königshütte 1919 beteiligt.

Das 1923 errichtete Objekt war von Anfang an als Zeugnis des Revanchismus und Militarismus konzipiert. In der Weiherede rief der ehemalige Jäger-Kommandeur a.D. Karl von Börries die Jugend auf, bereit zu sein für Heldentod und neuen Krieg: „… Das Denkmal für unsere tapferen Marburger Jäger möge den nachkommenden Geschlechtern Mahnung und Ansporn sein, es den Vätern gleichzutun. Dermaleinst werden die Kriegstoten auferstehen und unsichtbar einherschreiten vor Deutschlands Streiterscharen, wenn unser Volk wieder erwachen wird.“ Der Kameradschaft (und/ oder der AfD) passt nicht, was das Parlament seinerzeit beschlossen hatte: „Die Stadtverordnetenversammlung betrachtet die Einrichtung einer solchen Gedenkinstallation nicht nur als einen wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung Danke auch für die Disziplin der Geschichte des Militarismus in Marburg und für die Aufklärung kommender Generationen, sondern auch als einen lokalen Beitrag für eine Kultur des Friedens und der Völkerverständigung.“ Die „Jäger“ entehren sich selbst durch ihre Unwilligkeit zu lernen. Ein heute noch an führender Stelle aktiver Jägerkamerad zeigte bei der öffentlichen Vorstellung des Berichts der Geschichtswerkstatt die „18“ (Szene-Code für A. H.) auf seinem Hemdrücken. Sie reden bis heute von den Verbrechen als „angeblichen Geschehnissen“. Wer die Geschichte leugnet, bereitet den Boden für die Rechtfertigung neuer Verbrechen.

Ralf Schrader, für das Marburger Bündnis „Nein zum Krieg“, Marburg

Weiteres zum Thema „Marburger Jäger“

Kommunalwahlen 2021 – Fragen an die Parteien

Pressemitteilung des Marburger Bündnisses
„Nein zum Krieg!“ PM KommW(pdf) :
Lediglich fünf der zwölf in Marburg zur Wahl stehenden Parteien bzw. Listen haben auf eine Befragung des Marburger Bündnisses „Nein zum Krieg!“ geantwortet: Grüne, SPD, LINKE, Klimaliste und Bürgerliste Weiterdenken.
Da CDU, FDP, BfM sowie Marburg24 auf die Fragen des Bündnisses nicht geantwortet haben, entsteht der Eindruck, dass die Themen Frieden, Gewaltverzicht und daher eine zivile statt militärische Sicherheitspolitik bei ihnen keinen relevanten Stellenwert haben, so das Bündnis. Auch würden die Zusammenhänge zwischen Umweltzerstörung durch Krieg und daraus resultierende Fluchtbewegungen offenbar nicht wahrgenommen, obwohl die Folgen auch hier in Marburg deutlich zu spüren sind
Das Bündnis hatte folgende Positionen zur Diskussion gestellt:
1. Ausbau der Beteiligung – in Kooperation mit unserer Partnerstadt Eisenach – im internationalen Bündnis „Mayors for Peace“
2. Unterstützung des ICAN- Städteappells mit der Forderung, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten
3. Unterstützung der Forderung „Abrüsten statt Aufrüsten!“
4. Positionierung gegen die Anschaffung atomwaffenfähiger Kampfflugzeuge und bewaffneter Drohnen
5. Förderung der Friedenserziehung in Kitas, Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung
6. Unterstützung örtlicher Friedensinitiativen und zivilgesellschaftlicher Initiativen, die sich für die Aufnahme und soziale Integration von Geflüchteten einsetzen
7. Kein Zugang der Bundeswehr zu Schulen und Ausbildungsmessen sowie öffentlichen Werbeflächen zu Werbezwecken!
Alle fünf antwortenden Parteien stimmen diesen Positionen grundsätzlich zu.
Die SPD weist allerdings auf das Spannungsverhältnis zwischen ihrer friedenspolitischen Grundsatzhaltung und der Anerkennung der Bundeswehr als einer Parlamentsarmee hin, deren ursprünglicher Auftrag es sei, den Frieden zu erhalten. Hier werde der Unterschied der Positionen deutlich, denn das Bündnis „Nein zum Krieg“ stelle die Wirksamkeit militärischer Eingriffe zur Erreichung politischer Ziele grundsätzlich in Frage. Öffentliche Werbekampagnen für die Bundeswehr sind jedoch auch nach Ansicht der SPD abzulehnen.
Tabellarische Zusammenfassung aller Antworten

Reaktionen der Marburger Parteien auf die Abfrage unserer Wahlprüfsteine zur Kommunalwahl am 14.03.2021:
Grüne SPD LINKE WDMR Klimaliste

 

 

Internationaler Tag gegen Kindersoldaten am 12.Februar

Am 6.2.2021 fand eine Kundgebung der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK), Gruppe Marburg
am Elisabeth-Blochmann-Platz statt.
Die Aktion richtete sich gegen den Einsatz von
Kindersoldaten, wie Adrian Villa für die Gruppe mitteilte.
Anlass ist der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, auch bekannt als
„Aktion Rote Hand“ oder „Red Hand Day“ 
Das Marburger Bündnis Nein zum Krieg nahm teil.
Mehr Bilder, auf ’s Bild klicken

Das Marburger Bündnis Nein zum Krieg
lädt zum
Internationalen Tag gegen Kindersoldaten
am
12.02.21 um 18.00 Uhr

zu einem Online-Vortrag mit Prof. Dr. Jörg Becker ein.
Wir würden uns freuen, wenn Ihr Euch unter folgendem Link einschaltet:
nicht mehr verfügbar

Das Thema Kindersoldaten steht nicht nur gegenwärtig im Mittelpunkt
der Aufmerksamkeit bei der Verurteilung von Dominic Ongwen aus Uganda vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag,
sondern ist ein leider uraltes Thema seit vielen Jahrhunderten.
So kamen zum Beispiel 1869 in einer Schlacht in Paraguay 3.500 junge Soldaten im Alter von neun bis fünfzehn Jahren um und im ersten und zweiten Weltkrieg wurden viele 16- und 17-Jährige zur Armee eingezogen.
Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention in Kraft, das den Einsatz von unter 18-Jährigen als Soldaten verbietet.
Die Aktion Rote Hand ist eine weltweite Protestbewegung gegen den Einsatz von Kindersoldaten genau an diesem Tag.
Marburger Bündnis Nein zum Krieg

siehe auch:
Bundeswehr und Schule. Vortrag und Diskussion mit Tony Schwarz, Landesvorstand der GEW-­Hessen