Leserbriefe OP

Profunde Kenntnis und Objektivität

Am 9. Juli erschien dieser Leserbrief von Karin Schwalm:

Es gibt Werte und Wertvorstellungen, die sich jeder Zeitenwende entziehen. Dazu gehört das Bemühen um Frieden und die universalen Menschenrechte, und da hat jede Stadt nicht nur das gute Recht, sondern die Pflicht, parteiisch zu sein, auch wenn dies einigen Grünen nicht gefällt.

Wo kommen wir eigentlich hin, wenn alles von einem auf den anderen Tag für ungültig erklärt werden kann, alles verhandelbar ist.

Recht auf freie Meinungsäußerung

Jede Gesellschaft braucht ein solides Fundament, auf dem sie friedlich und solidarisch gedeihen kann. Dies gilt besonders für eine Stadt wie Marburg, die sich seit Jahren dem größten Friedensnetzwerk der Welt, den Mayors for Peace, verbunden fühlt und alljährlich am 8. Juli die Flagge dieses Netzwerkes am Rathaus hisst. Weiterlesen

Das Zeitfenster schließt sich

Zum Zusammenhang zwischen der Energiekrise und dem Krieg in der Ukraine erschien am 9 Juli dieser Leserbrief von Hajo Zeller:

Nord Stream 2 in Betrieb nehmen? Warum nicht!

Ein fundamentales Prinzip menschlicher Erkenntnis ist das Kausalitätsprinzip. Eine Ursache erzeugt eine Wirkung. Ob der Kinderbuchautor Robert Habeck, derzeit auch als Energieminister brillierend, die philosophischen und physikalischen Implikationen des Kausalitätsprinzips erfasst hat, bezweifle ich. Wie Greta Thunberg möchte ich Robert Habeck zurufen, „How dare you!“, den Bundesdeutschen ein X für ein U vorzumachen.

Die explodierenden Gaspreise und die daraus folgenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten für einen Großteil der Bevölkerung und die verarbeitende Industrie sind mitnichten eine Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine! Sie sind eine direkte oder indirekte Folge von politischen Entscheidungen der EU-Kommission und der Bundesregierung! Weiterlesen

Friedenstauben aus Italien

Zum Friedensvorschlag Italiens erscheint Karin Schwalms Leserbrief am 11. Juni 2022

Am 20. Mai kamen sie vom Turiner Treffen der 46 Mitgliedstaaten des Europarates bei uns in Deutschland angeflattert: Friedenstauben aus Italien, die von unseren Medien weitgehend ignoriert wurden, da diese sich seit Wochen auf Sanktionen und weitere Waffenlieferungen eingeschossen haben.

Dabei gibt es hoffnungsvolle Alternativen. Nach Informationen der italienischen Zeitung „La Repubblica“ sieht das Dokument der italienischen Regierung vier Schritte vor: 

  • einen Waffenstillstand in der Ukraine mit einer Demilitarisierung der Front unter UNO-Aufsicht,
  • Verhandlungen über den Status der Ukraine,
  • ein bilaterales Abkommen zwischen Kiew und Moskau über die Krim und den Donbass sowie
  • ein multilaterales Abkommen über Frieden und Sicherheit in Europa.

Weiterlesen...

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut

Leserbrief zu Berichten und Leserbriefen über den Ukraine-Krieg am 20. Mai von Hajo Zeller

Ein Leserbrief ist eine Meinungsäußerung. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Falsche Tatsachenbehauptungen sind von der Meinungsfreiheit jedoch nicht gedeckt.

In der Berichterstattung, den Kommentaren und den Leserbriefen zum Krieg in der Ukraine werden immer wieder falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet.

Beispielhaft der Leserbrief von Dr. Hack, veröffentlicht am 17. Mai 2022, „Die Nato ist eine defensive Organisation“. Zitat: „Noch nie ging, meines Wissens, von der Nato ein aggressives kriegerisches Verhalten aus.“ Fakt ist: Die Nato begann im März 1999 einen Krieg in Europa. Und: Dieser Krieg im Kosovo – geführt im Namen der Menschlichkeit – begann mit einer Lüge, wie die gleichnamige WDR-Dokumentation belegt.

Zitat: „Russland hat keinen Vertragsentwurf für ein friedliches Nebeneinander der Staaten vorgelegt.“ Falsch. Seit Michael Gorbatschow müht sich Russland um einen Platz im „gemeinsamen Haus Europa“. Vergeblich. Zuletzt wurden am 17. Dezember 2021 zwei Vertragsentwürfe an die USA und die anderen Nato-Staaten über gegenseitige Sicherheitsgarantien übermittelt. Der Text ist im Internet sogar auf Deutsch frei zugänglich. Weiterlesen

Was haben wir in diesem Chaos zu suchen?

Zum Krieg in der Ukraine ein Leserbrief von Karin Schwalm veröffentlicht am 14. Mai 2022.

Nachdem US-Außenminister Blinken bei seinem Besuch in Kiew keine Verhandlungsangebote im Gepäck hatte, dafür aber die Taschen voller Geld für neue Waffen, ließ er verlauten: Die Ukraine kann gewinnen, WIR können gewinnen.

WIR!? Also kämpfen die Vereinigten Staaten in der Ukraine gegen Russland.

Die USA versuchen, eine Weltordnung zu retten, die in ihrer aktuellen Ausprägung ihren Interessen nicht mehr dient, sondern eher China stärkt. Sie sind aufgeschreckt, dass das Ende ihrer Dominanz bevorsteht, und sehen im aktuellen Konflikt in der Ukraine ihre letzte Chance, ihre Position in der Welt zu bewahren (siehe „Monde diplomatique“ vom Mai 2022, Seite 8).

Es geht um Geopolitik, Einflusssphären und Hegemonie. Keinesfalls um Freiheit und Demokratie. Belege für die obigen Behauptungen liefern zahlreiche Strategiepapiere und Dokumente der USA selbst. Weiterlesen…

Vorgeschichte wird verschwiegen

Zum Kommentar von Kristina Dunz „Putins entlarvende Lügen“ in der OP vom 10. Mai 2022 schreibt Hajo Zeller diesen Leserbrief, der am 14. Mai veröffentlicht wurde.

Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin der Hauptstadtredaktion des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), bezichtigt in ihrem Kommentar den Präsidenten der Russischen Föderation der Lüge. Sie macht ihre Bezichtigung an dessen Aussage fest, „er (Wladimir Putin) habe sich vergeblich um Dialog mit dem bedrohlichen Westen bemüht“. Der anschließende Versuch, die Aussage als Lüge zu entlarven, ist ein Lehrstück für politische Propaganda und Manipulation.

Für Frau Dunz beginnt die Geschichte des Krieges drei Tage vor dem Einmarsch der russischen Truppen. Dabei verschweigt sie die gesamte Vorgeschichte seit dem Zerfall der Sowjetunion. Sie vergisst die vergeblichen und fast flehentlichen Bemühungen Russlands um einen Platz im „gemeinsamen Haus Europa“, ein Begriff, der von Michael Gorbatschow geprägt wurde. Sie unterschlägt das Erodieren der Sicherheitsarchitektur durch einseitige Aufkündigung von Rüstungskontrollabkommen durch die USA. Weiterlesen…

Putin kann sich eine Niederlage nicht leisten

Leserbrief von Erwin Junker zum Krieg Russlands gegen die Ukraine am 30.04.2022 :

„Der Feind ist uns zehn zu eins überlegen“, so ein ukrainischer Kommandeur in der „zu großen Teilen zerstörten“ Stadt Mariupol. Dennoch fordert Damir Fras: „Die Bundesregierung muss sich der Verantwortung stellen und der Ukraine auch mit schweren Waffen helfen.“

Entsetzt fragt man sich, ob dies noch Ausdruck pathetischer Naivität oder bereits bewusste Skrupellosigkeit ist. Was denkt sich Fras eigentlich? Wie viele Kriegstote hält er denn noch für „vertretbar“? Glaubt er ernsthaft, mit „schweren Waffen“ wäre die sich abzeichnende militärische Niederlage der Ukraine noch abzuwenden?

Selbst wenn das so käme – in die Enge getrieben wäre es für die Angreifer ein Leichtes, ein oder zwei Atomkraftwerke zu bombardieren und so das Land vollends in Schutt und Asche zu legen. Und entscheidend ist: Putin kann sich eine Niederlage seiner Armee nicht leisten, es wäre sein politisches Ende. Somit wird er, wie angedroht, alles – alles! – daransetzen, dies zu verhindern.Weiterlesen…

Annehmbares Verhandlungspaket muss auf den Tisch

Leserbrief von Karin Schwalm zum Krieg Russlands gegen die Ukraine am 23.04.2022

Dieser völkerrechtswidrige Krieg Russlands gegen die Ukraine, das Sterben und die Zerstörung müssen endlich ein Ende haben. Ex-Brigadegeneral und früherer Merkel-Berater, Vad, ließ uns kürzlich wissen, dass die Lieferung schwerer Waffen den Weg in den Dritten Weltkrieg ebnen. Anton Hofreiter spricht sogar von einem „de facto Dritten Weltkrieg“ und verlangt gleichzeitig die Lieferung von Panzern an die Ukraine. Das verstehe einer.

Was wollen wir eigentlich? Einen militärischen Sieg der Ukraine? Das ist unwahrscheinlich. Aber wir können ja einmal unseren Gedanken freien Lauf lassen. Was machen wir mit einem Verlierer Putin, der sich völlig verkalkuliert hat, international isoliert in einer Ecke sitzt und über Atomwaffen verfügt? Hochgradig ungemütlich! Müssen wir nicht die Interessen der Gegenseite und ihre möglichen Reaktionen bei allem, was wir tun, immer mitdenken? Das ist doch auch in unserem eigenen Interesse. Denn ein Siegfrieden der einen Seite ist keine Grundlage für einen nachhaltigen Frieden. Es braucht einen Kompromissfrieden, der die Interessen beider Seiten berücksichtigt. Weiterlesen…

Frieden in der Ukraine – aber wie?

Möglichkeiten, wie der Krieg in der Ukraine beendet werden kann, beschreibt Hajo Zeller in diesem Leserbrief vom 23. April 2022:

Russland ist in der Ukraine einmarschiert. Dieses Verhalten ist zu verurteilen. Der Krieg ist so schnell wie möglich zu beenden. Mit Strafmaßnahmen gegen Russland, wird er nicht beendet werden. Es gibt nur zwei realistische Möglichkeiten den Krieg zu beenden.

Die eine Möglichkeit ist eine vollständige militärische Niederlage einer der beiden Seiten. Aufseiten der Ukraine wird es diese wahrscheinlich nicht geben. Auch wenn die ukrainische Armee völlig ausgeschaltet und als Ganzes nicht mehr aktionsfähig ist, wird der Nachschub an Waffen und Munition durch den Westen eine Fortsetzung durch eine Art Guerilla-Krieg ermöglichen. Eine vollständige militärische Niederlage Russlands wird nur um den Preis eines Atomkrieges zu haben sein. Fürchte ich.

Bleibt die Möglichkeit, den Krieg am Verhandlungstisch zu beenden. Dort kann er aber nur beendet werden, wenn der zugrunde liegende Interessenkonflikt zwischen Russland, der Ukraine, den USA und der Nato gelöst wird. Weiterlesen..

Komplizierte und gefährliche Weltlage

Leserbrief von Wolfgang Sutter mit Gedanken zur Entstehung von Kriegen und dem Konflikt mit Russland:

Da Kriege immer zu Leid und Zerstörung führen, müssen sie in aller Welt vermieden werden. In dieser Verantwortung stehen alle maßgeblichen Akteure. Frieden geht weltweit nur mit weniger Waffen und einer vertraglichen Friedensordnung.

Die Weltlage ist kompliziert und gefährlich: zivile und militärische Atomtechnik, Klimakatastrophe, Umweltzerstörung, um nur drei zu benennen. Die politischen Akteure in der Welt sind nicht in der Lage oder, was schlimmer ist, nicht willens, lebensdienliche Lösungen zu suchen. Der Westen unter Führung der USA hält sich für das moralisch überlegene System. Das dient als Rechtfertigung für den Ausbau und die Erweiterung der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Dominanz des Westens gegenüber Russland und China. Weiterlesen…

Trauer, Wut und pazifistische Vernunft

Leserbrief von Pit Metz in der OP am 9. April 2022 zum Besuch von Boxlegende Wladimir Klitschko bei Vize-Bundeskanzler Robert Habeck:

In Ihrem OP-Bericht vom 1. April 2022, Seite 16, wird Wladimir Klitschko mit folgendem Gedanken zitiert: „Entweder sind wir alle Ukrainer. Oder wir sind alle verloren.“

Mit Verlaub! Das ist meines Erachtens grober Unsinn! Ich war nie Ukrainer und werde es niemals werden. Genauso wenig wie ich zum Beispiel Chilene war, als ich 1973 solidarisch an der Seite des chilenischen Volkes gegen den faschistischen Putsch stand.
Ich war auch nie Vietnamese, als ich mich gegen den mörderischen Krieg der USA in Vietnam engagierte. Meine Sympathie für Kuba entspringt nicht meinen kubanischen Wurzeln; die habe ich nämlich nicht. Weiterlesen

Wohin führt der Feindbildaufbau?

Leserbrief von Hajo Zeller in der OP am 9. April 2022 zum Kommentar von Eva Quadbeck „Putins Grausamkeit braucht eine Antwort“ vom 4. April 2022 sowie zur gesamten Berichterstattung zum Krieg in der Ukraine:

Es ist kein gutes Zeichen für den Zustand dieser Welt, einen Leserbrief mit Klarstellungen beginnen zu müssen, um nicht sofort als Unterstützer von Krieg und Kriegsverbrechen abgestempelt zu werden.

Ich trete für Gewaltfreiheit ein. National und international. Ich verurteile Krieg, Völkerrechtsbruch, Menschenrechtsverletzungen. Eine „militärische Sonderoperation“ ist ein Krieg. Militärische Denklogiken im Umgang mit Konflikten lehne ich ab. Ich unterstütze alle Menschen und Bewegungen, die sich für strukturelle Gewaltprävention und für zivile Konfliktlösungen einsetzen. Weiterlesen

Ein gewisses Maß an Selbstkritik

Leserbrief von Erwin Junker in der OP 19.März 2022

Es kann einen zur Verzweiflung treiben! Da überfällt die russische Regierung die Ukraine im Angesicht hochgerüsteter Nato-Armeen und demonstriert damit auch gleichzeitig die Untauglichkeit militärischer Mittel zur Kriegsverhütung, und der Wehrbeauftragten des Bundestages „schärft“ der Angriff paradoxerweise „das Bewusstsein dafür, wie wichtig militärische Abschreckung sei“, welche für Markus Decker gar „zur Überlebensnotwendigkeit“ wird, „die jedem unmittelbar einleuchtet“.

Kanzler Scholz stellt ohne öffentliche Debatte einen gigantischen Aufrüstungsplan vor: Neben einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro sollen für die Bundeswehr künftig jährlich über 70 Milliarden Euro bereitstehen, ein Plus von knapp 50 Prozent gegenüber 2021 (46,9 Milliarden Euro); und dies nach einem seit 2014 (32,4 Milliarden Euro) bis 2021 bereits realisierten Zuwachs um satte 44,75 Prozent. Weiterlesen…

Dieser Krieg hat viele Väter

Leserbrief von Hajo Zeller in der OP vom 19. März 2022

Wer den Menschen in der Ukraine – in Kiew und in Donezk oder Lugansk – helfen will, liefert keine Waffen, verhängt keine Sanktionen und dämonisiert nicht den russischen Präsidenten, sondern drängt auf Waffenstillstand und Verhandlungen.

Um dies zu begreifen, muss man kein Genie sein, sondern sich einfach die Historie dieses Konfliktes anschauen. Diese „Militäroperation“ – das Bombardement von Belgrad war auch eine „Militäroperation“ ebenso der „Einsatz“ in Afghanistan – ist nicht „Putins Krieg“. Dieser Krieg hat viele Väter. Der Angriff ist die logische Konsequenz aus den Handlungen beziehungsweise Nicht-Handlungen von USA, EU, Nato, Ukraine und Russland. Weiterlesen…